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Dokumentation des Mikroprojektes Deutschkurs / Bewerbungstraining für MigrantInnen

Imageaus dem Modellvorhaben LOS – „Lokales Kapital für soziale Zwecke“
des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSJ) und des
Europäischen Sozialfonds (ESF)

Bewilligungszeitraum: 01.01. - 30.06.2005
Durchführungsort: Alte Schule Friedrichsthal

Grundidee des Projektes: Ohne Sprache keine Integration
Gute Deutschkenntnisse sind der Schlüssel zu Integration in die Gesellschaft und Eingliederung in das Arbeitsleben: nur diejenigen MigrantInnen, die eine weitgehende deutsche Sprachkompetenz erlangen, haben Chancen auf Aufnahme in die Alltags- und Berufswelt.

Die Realität zeigt jedoch, dass viele MigrantInnen in Deutschland große sprachliche Defizite haben. Obwohl sie teilweise schon seit Jahrzehnten in Deutschland leben, halten sie sich vorwiegend in ihrem angeborenen Kulturkreis auf und sprechen die deutsche Sprache nur rudimentär. Der Zugang zum Arbeitsmarkt bleibt ihnen, und dies gilt besonders für Frauen, meist verwehrt. Dieses Projekt begleitete und half MigrantInnen, denen zur Integration in den Arbeitsmarkt wesentliche Sprachkompetenzen fehlten, auf ihrem Weg in Richtung deutscher (Berufs-) Alltag.

Ziel: Im (Berufs-)Alltag überleben

Die Teilnehmer des Projektes sollten mittels Deutschkurs und Bewerbungstraining
1. in die Lage versetzt werden, sich im deutschen Alltag zurecht zu finden,
2. wesentliche Sprachkompetenzen zur Integration in den Arbeitsmarkt erlangen und
3. Techniken erlernen, die die erfolgreiche Stellensuche erleichtern.

Teilnehmer: MigrantInnen aus dem asiatischen Sprachraum
Dieses Projekt war konzipiert für mindestens 7 MigrantInnen aus dem asiatischen Sprachraum, teilgenommen haben insgesamt 11 TeilnehmerInnen vorwiegend aus dem asiatischen Raum (Vietnam, China und Sri Lanka), ergänzt durch eine Kosovo-Albanerin sowie eine Somalierin.

Methoden
Die zur Integration in den deutschen (Berufs-)Alltag wesentlichen Sprachkompetenzen wurden vermittelt durch

1. einen 4-monatigen Deutschkurs,
2. ein 6-wöchiges Bewerbungstraining zur Vermittlung von Strategien bei der Stellensuche, (schriftlicher) Bewerbung und Vorstellungsgespräch,
3. Betriebsbesichtigungen.

Inhalte und Ablauf 

Deutschkurs
Das Projekt startete mit einem 4monatigen Deutschkurs, dessen Ziel es war, die Teilnehmer in die Lage zu versetzen, sich im deutschen Alltag zurecht zu finden. Dabei lag der Schwerpunkt auf der Vermittlung produktiver Sprachkompetenzen im Bereich des gesprochenen Deutsch.

Zu Beginn des Sprachkurses erfolgte zunächst eine Kompetenzfeststellung bei den TeilnehmerInnen: in den ersten beiden Kurswochen legten die MigrantInnen einen
Einstufungstest ab, schrieben erste kleine Diktate und Texte und zeigten in Konversationsstunden, über welche kommunikativen Fähigkeiten sie bereits verfügten. Der Einstufungstest, entwickelt vom Langenscheidt Verlag, diente dazu, „die sprachlichen Fähigkeiten [...] [der] Teilnehmer im Deutschen in Relation zu den Lehrwerksbänden „Berliner Platz 1, 2 und 3“ einzustufen und [den Kurs] zu organisieren bzw. zusammenzusetzen". Der Test bestand aus einem Multiple-Choice-Test zu Wortschatz und Grammatik, sowie einem Test zum mündlichen Ausdruck, in dem komplexe Fragen zum Alltag beantwortet werden mussten.

Bei der Durchsicht der Testbögen ergab sich, dass es sich bei den MigrantInnen um eine recht homogene Gruppe handelte. Sie bewegten sich sämtlich im Bereich A1-Niveau (Referenzrahmen des Europarates). Als Lehrbuch wurde daher „Berliner Platz 1“ eingeführt und der Unterricht folgte weitgehend den Vorgaben des Lehrwerks.

Dieser vorgegebene Rhythmus wurde, wann immer es sich ergab, durch Konversationsstunden zu aktuellen Themen und politischen Ereignissen, Festen und Feiertagen, Problemen der TeilnehmerInnen im deutschen Alltag sowie Erzählungen aus der Heimat unterbrochen: die Entwicklung kommunikativer Fähigkeiten hatte Vorrang. So übten die MigrantInnen alltägliches Sprachhandeln in vorgegebenen, aber auch in sich spontan ergebenden Situationen ein.

Der Deutschkurs endete am 12.05.2005 mit einem Abschlusstest. Dieser bestand wieder aus dem Einstufungstest zum Lehrwerk (die TeilnehmerInnen hatten die Möglichkeit, auch die jeweils höhere Schwierigkeitsstufe zu wählen), ergänzt durch ein Diktat. So ließ sich der Erfolg des Sprachkurses konkretisieren und sichtbar machen.

Alle TeilnehmerInnen bis auf eine Migrantin, die erst zum Ende des Deutschkurses zu den anderen stieß, und die im Vorfeld keinerlei Sprachkenntnisse erworben hatte, legten den Test ab. Die Testergebnisse des Einstufungs- und des Abschlusstestes sowie der Diktate zeigen, nebeneinander gelegt, den Lernfortschritt der MigrantInnen. Alle TeilnehmerInnen verbesserten sich, vor allem im schwerpunktmäßig vermittelten Bereich der gesprochenen Sprache.

Bewerbungstraining

Das 6wöchige Bewerbungstraining vermittelte wesentliche Sprachkompetenzen zur Integration in den Arbeitsmarkt und Techniken, die die erfolgreiche Stellensuche erleichtern. Im Bewerbungstraining mussten die TeilnehmerInnen zunächst die Hemmschwelle überwinden, sich zum ersten Mal an einen Computer zu setzen und mit ihm zu arbeiten. Die TeilnehmerInnen lernten den Aufbau eines offiziellen Briefes kennen, indem sie zunächst Entschuldigungsbriefe (an Schule bzw. Kindergarten) verfassten, bevor sie sich dann mit Bewerbungsanschreiben auseinandersetzten.

Dem voraus ging eine Standortbestimmung. Die Fragen, die die TeilnehmerInnen sich stellten mussten und die für manche nicht leicht zu beantworten waren, lauteten: „Wer bin ich?“, „Was kann ich?“ und „Was will ich beruflich tun?“.

Die TeilnehmerInnen lernten moderne Medien wie Tages- und Wochenzeitungen sowie das Internet zu nutzen, um unter Anleitung passende Stellenangebote zu finden. Diese zu lesen, zu verstehen und die wesentlichen Details herauszufiltern, stellte für die meisten MigrantInnen eine große Herausforderung dar. Hier erwies sich auch der Besuch im BIZ Saarbrücken als Hilfe: Die TeilnehmerInnen erhielten Anleitung bei der Stellensuche auf den Internetseiten der Arbeitsagentur sowie verwandter Anbieter (wie etwa meinestadt.de, sol.de und opusforum.de).

Wie man sich telefonisch nach einer ausgeschriebenen Stelle erkundigt und weitere Details erfragt, übten die TeilnehmerInnen in Rollenspielen ein.  Dann lernten die MigrantInnen, was eine Bewerbungsmappe ist, woraus sie besteht und wie man sie zusammenstellt. Sie verfassten am Computer ihren Lebenslauf und – unter Anleitung und Hilfestellung – auf sich selbst zugeschnittene Bewerbungsanschreiben. 

Die TeilnehmerInnen diskutierten die Wichtigkeit von Zeugnissen in der europäischen Kultur, setzten sich mit der Frage auseinander, welche Kleidung für Bewerbungsfotos und gespräche angemessen ist, und übten in Rollenspielen, wie man sich in Bewerbungsgesprächen verhält.

Zum Abschluss des Bewerbungstrainings ließen alle TeilnehmerInnen in einem Fotoatelier Bewerbungsfotos anfertigen. 

Bewerbungsunterlagen
Alle TeilnehmerInnen des Projektes erstellten im Laufe des Bewerbungstrainings individuelle Bewerbungsunterlagen. Dazu wurden jedem Migranten / jeder Migrantin im Vorfeld je drei Bewerbungsmappen zur Verfügung gestellt, die nach und nach mit den benötigten Unterlagen (Lebenslauf, Anschreiben, Zeugniskopien, Bewerbungsfoto) gefüllt wurden. Als problematisch erwies sich dabei, dass die meisten TeilnehmerInnen über keinerlei Zeugnisse verfügten. Umso wichtiger war es, sie für den hohen Stellenwert, den Zeugnisse in Deutschland haben, zu sensibilisieren und darauf hinzuwirken, dass die MigrantInnen mit den in der Zukunft noch zu erwartenden Zeugnissen sorgsam umgehen.

Betriebsbesichtigungen

Ziel der Betriebsbesichtigungen war es, Einblicke in das deutsche Arbeitsleben zu ermöglichen. Die Akquise und Organisation der Besichtigungen übernahm der Fördergebietsbeauftragte der Stadt Friedrichsthal, Herr Beyer.

Pfelegeheim Gevita
Unter Führung von Frau Prümm, der stellvertretenden Heimleiterin, besichtigten die MigrantInnen das Pflegeheim Gevita in Friedrichsthal.

Frau Prümm gab zunächst einen Überblick über die Geschichte des im Jahre 1994 eröffneten Hauses, die Philosophie der Heimleitung und den Aufbau des Hauses mit vier Wohnbereichen sowie Küche, Wäscherei und technischem Dienst. Bei der sich anschließenden Führung durch das Haus kamen die TeilnehmerInnen mit Heimbewohnern wie mit Angestellten in Kontakt.

Für die meisten MigrantInnen bedeutete es einen Schock, ein Pflegeheim zu besichtigen. Sie interessierten sich sehr für die Situation pflegebedürftiger Menschen in Deutschland und kritisierten die als „AbschiebeMentalität“ empfundene Haltung der Kinder- und Enkelgeneration. Frau Prümm widersprach dem entschieden. Die Kinder der Bewohner seien mit dem durch die Zunahme von Krankheiten wie Altersdemenz und Alzheimer erhöhten Pflegeaufwand überfordert und täten sich schwer, ihre Angehörigen wegzugeben.

Interessant zu sehen war für die MigrantInnen auch der Hauswirtschaftsbereich, vor allem die Küche, die die 150 Bewohner bekocht. Da die Heimleitung gerne auf 1-Euro-Jobs zurückgreift, um die anfallenden Arbeiten abzudecken, kommt dieses Haus für einige TeilnehmerInnen als Berufseinstieg infrage. 

Sparkasse Friedrichsthal
Empfangen wurden die MigrantInnen in der Sparkasse Friedrichsthal von der Leiterin des Hauses, Frau Kahlenbach, sowie von der Leiterin des SchulService der Sparkasse Saarbrücken, Frau Zinke. Anläßlich der Präsentation der LOSPlakate im Schalterraum der Sparkasse erhielten die TeilnehmerInnen eine Betriebsführung.

Auf dem Rundgang erklärte Frau Zinke den TeilnehmerInnen sehr anschaulich den Aufbau der Schalterhalle, welche Arten von Konten man unterscheidet, welche Aufgaben Auszugsdrucker, Geldautomat und Überweisungsterminal erfüllen und wie man sie bedient. Eine Besichtigung des Tresors und der Schließfächer schloss sich an. 

Im Schulungssaal der Sparkasse konnten die TeilnehmerInnen anschließend Fragen zum Thema Bank stellen. So erkundigte sich eine Migrantin nach den Modalitäten einer Kontoeröffnung, da sie ein Sparkonto für ihre Kinder anlegen möchte. Eine andere Teilnehmerin äußerte Kritik an einer fehlgeschlagenen Kontoeröffnung. Darüber kamen die TeilnehmerInnen mit der Sparkassenleiterin ins Gespräch.

Nach der Fragerunde fügte Frau Zinke ein kurzes Bewerbungstraining an und stellte jedem Teilnehmer / jeder Teilnehmerin eine Infobroschüre zum Thema Bewerbung zur Verfügung. Sie stellte das Jugendportal „sfresh“ der Sparkasse Saarbrücken vor, das unter der Rubrik „Beruf lernen“ in einfacher Form Tipps zum Verfassen einer erfolgreichen Bewerbung bietet, die nicht nur für Lehrstellensondern auch für Arbeitsuchende hilfreich sind.

Kinderbetreuung

Die zu Beginn des Projektes angebotene Kinderbetreuung lief nach der ersten Kurswoche aus, da lediglich eine Mutter das Betreuungsangebot wahrnahm. Ihr Kind konnte problemlos zu Hause von Verwandten betreut werden, so entstand für die Mutter kein Betreuungsengpass.

Ab April war regelmäßig ein Kleinkind (2 Jahre) anwesend. Dies bedeutete höchst selten eine Beeinträchtigung des Unterrichts. Oftmals begünstigte die Anwesenheit des Kindes sogar die Schaffung einer angenehmen Arbeitsatmosphäre. Zu Störungen kam es lediglich, wenn auch andere Eltern in Krankheitszeiten ihre Kinder mitbrachten. Das geschah jedoch nur vereinzelt.

Dennoch war es wichtig, für dieses Projekt eine Kinderbetreuung vorzusehen, um die Vorbehalte von Eltern gegen die Teilnahme auszuräumen. Zu jedem Zeitpunkt des Kurses hätte die Kinderbetreuung bei Bedarf wieder aufgenommen werden können.

Ergebnis

Gemessen an den im Stammblatt aufgestellten Erfolgsindikatoren
Indikator 1: Bestehen eines Tests allgemeine Sprachkenntnisse
Indikator 2: Bestehen eines Tests arbeitsbereichsrelevante Sprachkenntnisse
Indikator 3: Vorliegen einer Bewerbungsmappe
ist der Erfolg dieses Mikroprojekts wie folgt zu bewerten:

Indikator 1:
Mit Ausnahme der erst zum Ende des Deutschkurses hinzu gestoßenen Teilnehmerin, die über keinerlei Vorwissen verfügte und erst alphabetisiert werden muss, haben alle zu diesem Zeitpunkt noch im Kurs befindlichen MigrantInnen den Abschlusstest absolviert und bestanden. Als „bestanden“ galt der Test, wenn der jeweilige Teilnehmer / die jeweilige Teilnehmerin sich im Laufe des Sprachkurses nachweislich verbessert hatte.
Das Ziel des Deutschkurses wurde daher vollständig erreicht.

Indikator 2:
Die intrinsische Motivation der MigrantInnen zur Teilnahme am Bewerbungstraining fiel wesentlich geringer aus als die im Deutschkurs gezeigte. Die TeilnehmerInnen taten sich mit der fremden Materie schwer und sahen teilweise die Wichtigkeit des Trainings für ihren beruflichen Erfolg nicht. Zur Ermutigung und um positives Feedback zu geben, wurde nach jedem Lernabschnitt eine Lernerfolgskontrolle durchgeführt, jedoch auf eine schriftliche Abschlussprüfung verzichtet. Das Ziel des Bewerbungstrainings wurde zum großen Teil erreicht.

Indikator 3:
Für alle MigrantInnen, die bis zum Abschluss des Projektes am Kurs teilnahmen, liegen Bewerbungsmappen vor.
Dieses Ziel wurde vollständig erreicht.

Nicole Kleemann 

 
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