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Konzert Kunst, Migration und Identität „Canto Gitano: In der Fremde zu Hause – Zigeuner im Kunstlied und in der Oper“ Mittwoch, 05.11.2008, um 20.00 Uhr Am 05. November 2008 gaben Frau Malika Reyad und Frau Heike Bleckmann im Saarlandmuseum ein Konzert zum Thema „Canto Gitano: In der Fremde zu Hause – Zigeuner im Kunstlied und in der Oper“. Die Veranstaltung im Rahmen des „club bismarck 11“ wurde von Ramesch, Forum für Interkulturelle Begegnung e.V. in Zusammenarbeit mit der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz und dem Saarlandmuseum organisiert. Zum Beginn des Konzerts begrüßte Frau Dr. Mona Stocker von der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz und vom Saarlandmuseum die Gäste. Sie bedankte sich für die Zusammenarbeit mit Ramesch und führte dann die Anwesenden zu dem expressionistischen Gemälde „Zigeuner mit Sonnenblumen“ von Otto Mueller aus dem Jahr 1927. In einer 15-minütigen Kurzeinführung erklärte sie, dass der Begriff ‚Zigeuner’ eine lange Geschichte habe und positive wie negative Bedeutungen in sich berge. Einerseits würde er als Schimpfwort/Beleidigung verwendet, andererseits verkörpere er das Freie und Ungebundene. So habe er besonders Eingang gefunden in die Kunst und Musik.
Das Bild zeigt laut Frau Stocker eine Familiensituation: die Familienidylle der fahrenden Zigeuner, zu sehen sei u. a. eine stillende Frau. Die Sonnenblume am linken und die gelbe Kleidung der Person am rechten Bildrand erheben das Bild zu einer Einheit. Das verwendete grobe Leinen ließ nur größere Farbflächen zu, wodurch überwiegend sehr kräftige Farben verwendet wurden. Otto Mueller sei in seinem Leben sehr häufig angeeckt, habe sich nicht an Normen angepasst und die Bürgerlichkeit verweigert. Er wollte sich nicht einschränken lassen und war daher so fasziniert von den Zigeunern und ihrem Nomadenleben, hat sogar zeitweise mit ihnen zusammengelebt. Diese Einstellung, so erläuterte Frau Stocker, habe sich auch in seiner Kunst widergespiegelt: er bevorzugte die spontane, unmittelbare Ausdruckskraft statt der akademischen Kunst.
Welche Spuren die Zigeuner in der Musik hinterlassen hätten, würden die Gäste beim anschließenden Konzert erleben, sagte Frau Stocker und führte die Teilnehmer/innen zurück in den Konzertsaal. Hier begrüßte nun auch Frau Ikbal Berber, Vorsitzende Ramesch, Forum für Interkulturelle Begegnung e.V. die Anwesenden im Namen des Vereins und bedankte sich ihrerseits für die Zusammenarbeit mit der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz. Ohne derartige Kooperationen seien viele Veranstaltungen nicht realisierbar. Frau Berber erläuterte kurz die Arbeit des Vereins: neben beratenden Tätigkeiten und sprachfördernden Projekten organisiere Ramesch eine Veranstaltungsreihe mit jährlich wechselndem Schwerpunktthema. Anhand derer das Zusammenleben mit Migranten aus einer anderen Perspektive gezeigt würde als der negativen. Schließlich bereicherten Menschen anderer Herkunft, Religion und Kultur unsere Gesellschaft. In diesem Jahr liefen die Veranstaltungen unter dem Thema „Kunst, Migration, Identität“ und sie zeigten die Vielfalt dieses Bereiches. Zahlreiche Künstler/innen fühlen sich nach Aussage von Frau Berber in vielen Kulturen heimisch und binden so verschiedenste Nuancen in ihre Kunst ein, was die Musik, Bildende Kunst und Architektur so abwechslungsreich gestalte. Auch Malika Reyad widme sich unterschiedlichsten musikalischen Themen, begann Frau Berber sie vorzustellen. Die marokkanisch stämmige Mezzosopranistin sei in Lausanne geboren und auf verschiedenen Kontinenten aufgewachsen. Nach ihrem Gesangsstudium in Karlsruhe gastierte sie auf mehreren Opernbühnen, sie gebe Gastspiele auf der ganzen Welt und habe Engagements beim Rundfunk. Für sie sei Musik eine Weltsprache, die Menschen miteinander verbinde. Als Initiatorin der Karlsruher Schlosskonzerte habe sie verschiedenste Kulturen in das Programm, mit dem Ziel der physischen Reise und als Denkanstoß integriert. Frau Berber wünschte den Zuhörern daher eine „gute Reise“. Frau Reyad begann den musikalischen Teil des Abends mit einem Zitat. Dann stellten sie und Frau Bleckmann die Abfolge der Lieder vor. Sie präsentierten Stücke von Enrique Granados, Robert Schumann, Hugo Wolf, Antonin Dvořàk, Johannes Brahms (von ihm stammen die berühmtesten Zigeunerlieder), Horst Meyer-Selb, Federico Carcia Lorca, Manuel de Falla, Giuseppe Verdi, Emmerich Kalman und Georges Bizet. Lebendig vorgetragene Informationen zum Thema, zu den Komponisten und den Stücken erleichterten den Zuhörern den Zugang zu den Liedern. Des Weiteren erläuterten Reyad und Bleckmann, dass „echte“ Zigeunermusiker nicht nach Noten spielen würden, sondern grundsätzlich improvisierten. Ab dem 19. Jahrhundert habe diese Stilrichtung aber viele Komponisten inspiriert; sie hätten Elemente der Zigeunermusik in ihre Werke einfließen lassen. Zigeuner würden zudem immer mit einer eigenen Sprache und Kultur verbunden, erzählte Frau Bleckmann weiter, oftmals seien die Meinungen jedoch negativ behaftet: Zigeuner würden Kinder rauben u. ä. Insbesondere mit Spanien, Nord-Afrika und Ost-Europa seien die Verbindungen der Zigeuner eng verflochten. Und so seien am heutigen Abend auch überwiegend Werke von Komponisten aus diesen Ländern zu hören. Sie drückten teilweise die eigenen Sehnsüchte ihrer Schöpfer nach Freiheit aus. Andere erzählen von der Liebe oder auch traurigen Ereignissen.
Nach 45 Minuten legten die Musikerinnen eine kurze Pause, bevor sie für weitere 45 Minuten ihr Können zum Besten gaben. Als Zugabe war „La chanson“ aus der Oper „Carmen“ zu hören, wobei die charmante Sopranistin noch einmal auf Tuchfühlung mit dem Publikum ging. Frau Bleckmann hat ihr Klavierspiel während des Abends stets optimal an Frau Reyad’s Gesang angepasst und eine beeindruckende Fingerfertigkeit bewiesen. Zusammen mit Frau Reyad’s überwältigender Stimme konnte das zahlreich erschienene Publikum einen überaus interessanten, unkonventionellen und gelungenen Liederabend zweier charakterstarker Musikerinnen genießen. Zahlreiche Zuhörer/innen ließen den Abend im angrenzenden Bistro „Archipenko“ langsam ausklingen. Caroline Reichert |